Partnerschaft

Sei außer - gewöhnlich

Partnerschaft

9. März 2020 Blog 4

Im letzten Frauenseminar haben wir ausführlich über das Thema Partnerschaft gesprochen.

Was bedeutet Partnerschaft und warum ist es manchmal so schwer eine glückliche Partnerschaft zu leben?

Klientinnen und Klienten sprechen häufig davon, dass sie für das jeweils andere Geschlecht eine Bedienungsanleitung bräuchten.

So etwas wie eine Bedienungsanleitung gibt es sogar. Lasst uns mal über so ein paar „Regeln“ oder „nice to know´s“ sprechen.

Der vielleicht wichtigste Schritt ist der Schritt vor der Beziehung. Denn es ist klug sich vorher zu fragen, warum du überhaupt eine Beziehung eingehen willst. Was ist der Grund dafür?

Willst du:

  • Nicht mehr allein sein
  • Jemanden zum Reden haben
  • Jemanden, der dir das Gefühl gibt wichtig zu sein
  • Brauchst du mehr Nähe und Zärtlichkeiten
  • Sexualität
  • Das Gefühl gebraucht zu werden
  • Das Gefühl geliebt zu werden
  • Anerkennung und Wertschätzung
  • Das Gefühl von finanzieller bzw. wirtschaftlicher Sicherheit

Oder was ist es für dich?

Dann schau dir an, ob deine Wünsche vielleicht eher Bedürfnisse sind, die du an einen zukünftigen Partner, eine zukünftige Partnerin, stellst.

Und vielleicht sind das auch Hoffnungen oder gar Bedingungen. Du wirst jetzt sagen – Bedingungen!! Nein, ich stelle keine Bedingungen. Ich liebe bedingungslos und möchte bedingungslos geliebt werden.

Aber ist das wirklich so?

Steckt hinter den Wünschen nicht oft eine Bedingung? So nach dem Motto – wenn du mich nicht glücklich machen kannst, bist du nicht der/die Richtige. Oder auch: „Wenn du mir gibst was ich brauche, gebe ich dir auch was du brauchst“. Dann ist es eher eine Handelsgemeinschaft… eine Abhängigkeit.

Häuft steckt hinter den Wünschen an den Partner/der Partnerin auch ein Mangel, der sich in der Kindheit gebildet hat. Ein Kind hat nicht genug von einem Bedürfnis bekommen und versucht das in der Partnerschaft zu kompensieren. Dann begegnen sich zwei Kinder, die sich wünschen, dass der andere mir gibt, was mir fehlt.

Das Gefühl bedingungslos geliebt zu werden,

das Gefühl gut zu sein, richtig, so wie man ist,

das Gefühl sicher und geborgen zu sein oder beschützt.

Die bedürftigen Kinder in den Erwachsenen stehen sich dann gegenüber und betteln: „sag du mir bitte das du mich liebst, damit ich mich wertvoll fühle. Sag mir, dass ich wichtig bin, dass ich richtig bin, so wie ich bin, weil ich mir nicht sicher bin, dass es so ist.“ Das läuft immer unbewusst ab.

Stell dir vor, jemand würde so vor dir stehen und ganz bewusst sagen, ich brauche dich, weil ich das Bedürfnis nach Nähe, Liebe und Fürsorge habe. Bitte sag mir täglich, dass du mich liebst, dass du mich brauchst und das ich wertvoll und wichtig bin, denn ich spüre mich nicht. Mach mich glücklich und lies mir meine Wünsche von den Augen ab, so wie Papa damals. Bestärke mich in meiner Männlichkeit und umsorge mich, wie eine Mutter. Sag mir, dass du mich schön findest, denn ich finde mich hässlich. Sag mir, dass du meinen Körper begehrst, denn ich lehne ihn ab.

Was würdest du sagen? Was würdest du tun? Ich mutmaße mal, du würdest die Beine in die Hand nehmen und laufen!

Und das zu Recht. Wer möchte vor so einer Flut von Anforderungen, Wunscherfüllung und Hoffnung stehen? Was ist das für eine Bürde? Eine Last! Niemand macht das freiwillig!

Und trotzdem findet es genauso statt, nur eben unbewusst, gedanklich und heimlich. Darüber würde nie gesprochen werden, es ist dir ja noch nicht mal bewusst.

Wenn du dich nicht hinsetzt, und wirklich hinterfragst, warum du eine Beziehung eingehen möchtest, kommst du dir nicht auf die Schliche.

Was willst du haben??? Was willst du geben???

Bitte. Frag dich das zuerst. Und beantworte es dir ganz ehrlich. Es hört ja niemand, welche Antworten du findest. Aber du machst es dir bewusst.

Willst du wirklich nichts haben? Willst du wirklich nur geben? Oder brauchst du etwas das dir fehlt. Willst du eher etwas haben, als etwas geben, weil du etwas brauchst.

Liebst du, wenn du liebst, bedingungslos und aus einem Gefühl von voller innerer Fülle heraus?

Bist du so erfüllt in dir, liebst du dich selbst mit allen Schwächen und Stärken, fließt du über vor Liebe und Glück und bist froh, deine Gaben endlich teilen zu können?!

Dann sind das die besten Voraussetzungen für eine gelungene Partnerschaft, in der du noch mehr zu deinem Glück bekommst, nämlich das Glück des anderen.

Glaub mir, es lohnt sich, vor einer Beziehung eine Bestandsaufnahme zu machen und sich klar zu werden, was du von einem Menschen an deiner Seite erwartest. Und was er mit und von dir erwarten darf. Auch, mit welchem Bedürfnis du in die Beziehung gehst.

Selbst, wenn du gerade in einer Beziehung stehst, kannst du einen Moment innehalten und überlegen, was du von ihm/ ihr eigentlich willst. Frag dich ehrlich: „Was will ich von und mit dir?“

Und: „Würde ich dich noch einmal als meinen Partner wählen?“ Wenn ja, warum. Wenn nein, warum nicht. Und was hat das jetzt für Konsequenzen für mich, das zu wissen.

Die Beantwortung der Fragen kann bahnbrechend sein. Es kann dazu führen, dass du beginnst deinen Partner/ deine Partnerin anders zu sehen, sie zum ersten Mal verstehst. Es kann sein, dass du ihre/seine Reaktionen auf deine geheimen, untergründigen Wünsche jetzt verstehst. Niemand möchte für das Glück eines anderen verantwortlich sein. Für sein eigenes Glück verantwortlich zu sein, ist schon genug Verantwortung. Und wer diese innere Erwartungshaltung an sich spürt, nimmt Reißaus…

Wenn du bei der Beantwortung dieser Fragen feststellst, dass du genau das getan hast, das du deine Bedürfnisse versuchst an deinem Partner/ deine Partnerin zu stillen. Wenn du weißt, dass dein Töpfchen „Selbstliebe“, „Beschützt sein“, „Fürsorge bekommen“, oder „mich selbst spüren“, leer ist, dann ist erst einmal wichtig, dies zu erkennen. Das ist schon die halbe Miete! Großartig!!! Diese Bewusstwerdung kann für dich selbst beschämend sein. Es gehört jedoch nur zum Prozess zu dir selbst zu finden und damit ein großer Entwicklungsschritt!!  

Mach dich auf den Weg, deine Töpfchen zu füllen, such dir Hilfe oder Möglichkeiten dies zu tun.

Wie fülle ich meine Töpfchen selbst?

Umsorg dich mehr und bewusster als sonst. Gib dir selbst ein Zuhause. Liebe dich jeden Tag ein bisschen mehr. Liebe geben ist ganz einfach. Fang an, anderen Menschen ein Lächeln zu schenken. Morgens beim Bäcker, strahlst du die Verkäuferin an, anschließend den netten Autofahrer, der dich vorbei lässt. Deine Arbeitskollegen, jemand fremden, der an dir vorüber geht, einfach jeden Menschen, den du triffst, kannst du mit Liebe beschenken. Und das tolle daran ist, dass sie immer zu dir zurückkommt. Du veränderst den Tag eines anderen auf positive Weise und das macht glücklich.

Eine einfache, aber effektive Übung!

Geh bewusster mit dir um. Behandele dich doch mal an einem Tag so, wie du eine Freundin/einen Freund behandeln würdest. Betrachte dich ab und zu von außen und tu so, als wärst du deine beste Freundin/dein bester Freund. Sag dir, hey liebes, hey Champion, mach mal eine Pause.

Genieße die bewussten Berührungen beim Eincremen des Duschgels, rubbel dich langsam und bewusst, nicht schnell schnell mit dem Handtuch ab.

Betrachte dich einmal ganz genau im Spiegel. Wer bist du? Was hast du schon alles mit dir erlebt? Du bist durch dick und dünn gegangen mit dir!

Zieh dich nett an, so wie du es tun würdest, wenn du dich mit einer Freundin/einem Freund zum Essen verabredet hättest.

Verbringe Zeit mit dir. Sei kreativ, mal etwas, kauf dir Farben und mal einfach drauf los.

Fahr mal wieder Fahrrad, geh mit einem Kumpel ein Bier trinken such dir ein Hobby.

Geh ins Cafe und trink einen Cappuccino mit dir. Schenk dir ein Eis oder ein leckeres Stück Kuchen, verwöhne dich!!

Wann hast du dir zuletzt eine schöne Blume mitgebracht? Nimm dich wichtig! Mach Pausen. Fahr alleine weg.

Mach bewusst „Frauensachen“. Geh zurück zu deiner Weiblichkeit.

Mach bewusst „Männersachen“. Geh zurück zu deiner Männlichkeit.

Tu all das, was ein Mensch tun würde, der sich so richtig liebt. Zu Beginn kannst du dich selbst fragen: Was würde jetzt ein Mensch tun, der sich richtig liebt? Wie würde er jetzt mit der Situation umgehen? Wie würde er den Tag verbringen? Das kann gerade zu Beginn deines Selbstliebeweges helfen. Du wirst sehen, es klappt täglich besser. Du wirst dich wohler fühlen mit dir selbst und du wirst mehr Energie und Freude spüren. Diese Freude und innere Zufriedenheit wirken sich auf deinen Partner/ deine Partnerin aus. Das macht ganz nebenbei attraktiv und lässt den anderen näher rücken. Er fühlt sich angezogen… wie magisch….

4 Antworten

  1. Matthias Lotz sagt:

    Danke Katrin, das hast Du wirklich sehr schön und auch sehr treffend beschrieben. Da habe ich noch einiges zu tun. In der sehr dankbar, und werde mich auf die von dir genannten Kriterien mal befragen. Liebe Grüße

  2. Kathrin sagt:

    Mach das mit Freude Matthias, es ist für dich wichtig, für deinen Prozess!

  3. Jan Hauschildt sagt:

    Liebe Kathrin, danke für diesen Text, den ich über Facebook entdeckt habe.
    Ich musste 56 Jahre alt werden um zu erkennen, dass ich die Liebe bin die ich suche …..
    Eine Revolution in meinem Sein, die jetzt begonnen hat und einen neuen Prozess startet.

    Fühle dich geknuddelt

    Jan

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