Die Parabel vom stillen Augenblick

Sei außer - gewöhnlich

In jungen Jahren – und das liegt nun schon sehr lange zurück – war er bei den meisten seiner Zeitgenossen ein beliebter und gern gesehener Gast. Nicht, dass er sich deshalb in selbstgefälligem Stolz gesonnt hätte. Es freute ihn vielmehr, dass er, der stille Augenblick, das Leben so manches Menschen prägen durfte.

Doch die Zeiten hatten sich geändert. Andere, vermeintlich viel wichtigere Werte bestimmten das Leben der Menschen. Immer wieder musste er es spüren, wie sein Besuch als peinlich, ungelegen oder gar als störend empfunden wurde.

Schließlich ignorierte man ihn, oder – und das war noch schlimmer – man belächelte ihn als antiquierte Erscheinung alter Zeiten.

Ja, so war das gewesen. Wen wundert es noch, dass es nun zur depressiven Lebenskrise des stillen Augenblicks gekommen war. Aber das war nun vorbei! Denn auch diese Zeiten änderten sich. Durch schmerzliche Erfahrungen sind manche Zeitgenossen zur Erkenntnis durchgedrungen: Anhaltender Stress und dauernde Aktivität – das hält kein Mensch aus.

Wenn er nicht schon da wäre, sollte man einen stillen Augenblick erfinden, der sich in wohldosierten Abständen in unseren Alltag einbauen lässt. Doch glücklicherweise ist diese Erfindung gar nicht nötig: Den stillen Augenblick gibt es schon längst. Man muss ihn nur zu sich einladen – und kommt gerne.

Aus “Moderne Parabeln” von Stefanie Widmann und Andreas Wenzlau.


Fragen an den achtsamen Leser:

  • Kannst du den Augenblick wahrnehmen und genießen?
  • Bist du dankbar für den Augenblick?
  • Kannst du dem Augenblick seine Bedeutung zumessen?
  • Hast du schon einmal einen Moment in den Himmel geschaut und das Glück erlebt, dass nur du den Himmel so siehst wie er sich dir zeigt. Eine Momentaufnahme, die nie wieder kommt. Sie ist nur für dich da.
  • Konzentrierst du dich auf das Wesentliche? Dem Augenblick in der Hektik der Arbeitswelt Raum zu geben, entlastet und befreit.
  • Spürst du die Stille in dir?
  • Findest du in der Natur deine Ruhe?
  • Erkennst du besondere Augenblicke? Den Blick eines Menschen, ein Lächeln, eine Geste…
  • An welchen Augenblick des heutigen Tages erinnerst du dich?
  • Wann hast du dir zuletzt einen Augenblick Zeit für jemand anderes genommen? Für eine Überraschung, ein Wort, eine Umarmung.

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