Mentale Aufstellungen

Sei außer - gewöhnlich

Auswirkungen von Beziehungen sind nicht zu unterschätzen. Sie wirken auch, wenn die Menschen nicht miteinander leben. Die unbewussten (Ver-) Bindungen sind häufig so stark, dass sie unser ganzes Leben (schwächend) beeinflussen können.

In Familienaufstellungen werden diese Verstrickungen aufgedeckt. Dadurch kann sich unsere „innere Geschichte“ verändern. Oft suchen wir noch Klärung und wollen endlich zur Ruhe kommen, mit Verbindungen, die uns belasten. Häufig sind Verbindungen zur Familie und alte Themen aus der Kindheit die belastenden Themen aus der Vergangenheit. Gerade Verletzungen aus der Kindheit, den ersten Lebensjahren, stecken besonders tief in uns und drängen ggf. irgendwann an die Oberfläche. Manchmal brechen sie sogar aufgrund eines Ereignisses plötzlich hervor.

Die alten Wunden wollen geheilt werden. Jetzt ist es wichtig sich zu öffnen und der Heilung zuzustimmen. Das bedeutet häufig „nur“, eine andere Haltung anzunehmen. Haltungen verändern sich und Verstrickungen lösen sich, nachdem sie in einer Aufstellung sichtbar gemacht wurden. Aber nicht jeder ist bei solchen Themen in der Lage sich in Gruppen zu öffnen.

Du bist eher der Typ, der eine neue Methode erst mal für sich allein ausprobieren will? Das ist auch möglich! Zum Beispiel durch mentales Aufstellen. Du musst dazu vielleicht etwas üben. In Gruppen nutzen wir Stellvertreter an denen wir die Emotionen ablesen können, wenn wir allein sind, nutzen wir dazu nur unsere Vorstellungskraft.

Der Geist hat enorme Kraft! Wir nutzen ihn selten zur Heilung unserer Kindheitsthemen oder Familienthemen. Aber es ist möglich.

Wie wir beginnen können alte Wunden zu heilen und schwierige Beziehungen für uns entschärfen, zeige ich dir in einer kleinen Übung.  

Es geht dabei darum, deine Vorstellungskraft zu Heilungszwecken zu nutzen. Manchen Menschen fällt das nicht schwer, sie nutzen im Alltag bereits Tagträume und ihre Vorstellungskraft, um kleine Konflikte oder Gespräche vorher durchzuspielen, denke da auch an Vorstellungsgespräche oder Vorträge die wir vorher x mal in Gedanken trainieren. Wenn wir von unserem Schatz etwas wollen, von dem wir bereits wissen, er oder sie hat weniger Lust darauf, hält nichts davon oder ist sogar dagegen, dann spielen wir das Vortragen unseres Anliegens wieder und wieder durch.

Es gibt aber auch Menschen, die glauben, sie hätten gar keine Vorstellungskraft und könnten keine inneren Bilder sehen. Lass dir gesagt sein, dass jeder Mensch unbewusst Bilder nutzt! Auch du! Du speicherst Gesichter, dein Auto, dein Büro(-tisch), das Aussehen deiner Kinder, des Partners, ja fast alles im Alltag mit Bildern ab. Darüber erkennst du anschließend dein Umfeld wieder. Du liest nicht mehr, dein Gehirn nutzt die abgespeicherten Bilder des Wortes, um sie zu erfassen. Dein Auto suchst du auch nicht täglich nach dem Einkauf, du weißt noch wo es steht und wie es aussieht. Das alles geschieht über innere Bilder.

Zum Üben jetzt, nimm dir ein bisschen Zeit und einen geeigneten ungestörten Raum. Such dir zunächst die Beziehung zu einem Freund/einer Freundin aus, die positive Energie mit sich bringt. Es kann jede x beliebige Person sein.

Kleine Übung:

Schließe einen Moment deine Augen und stell dir deinen Freund/deine Freundin, wen du dir auch ausgesucht hast vor. Schau ihn/sie dir so gut wie möglich an. Wie sieht die Person aus? Welche Kleidung trägt er/sie? Sitzt er/sie? Wenn ja, worauf? Wo befindet sie sich und wie schaut die Person dich an? Wie ist der Gesichtsausdruck?

Wenn du ein gutes Bild hast, frage dich, wie es dir geht, wenn du die Person siehst. Wie geht es ihr, wenn sie dich anschaut? Wie geht es euch beiden, wenn du ein paar Schritte zurück trittst? Wie, wenn du ein paar Schritte auf sie zugehst?

Wie nah könnt ihr aufeinander zugehen? Wie fühlt es sich an? Nimm alle gefühlsmäßigen Unterschiede wahr.

In einem 2. Schritt, der auch an einem anderen Tag stattfinden kann, stell dir vor, dass deine gewählte Person vor dir steht und dich ansieht. Wie schaut sie? Wie geht es ihr? Ist sie fröhlich? Traurig? Neutral?

Gibt es etwas, dass du ihr gern sagen würdest? Steht etwas zwischen euch? Möchtest du ihr etwas sagen, dass du der Person noch nie gesagt, aber gedacht/gefühlt hast? Trägst du noch etwas mit dir herum? Oder hast du das Gefühl, sie trägt etwas mit sich herum, was eure Beziehung zueinander betrifft? Teilt sie dir vielleicht etwas mit? Oder möchtest du ihr etwas mitteilen? Wie fühlst du dich dabei? Wie fühlt sie sich dabei?

Wichtig ist dabei, dass du dir keinen Druck mit der Übung machst. In Aufstellungen haben wir die Reaktion der Stellvertreter, die wir sofort wahrnehmen, wenn wir ihnen etwas mitteilen würden. Vor dem inneren Auge fällt es uns vielleicht nicht so leicht die Bilder so zu sehen, wie wir es erwarten. Wenn ein Mentor dabei ist, der dir diese Fragen stellt, während du die Augen schließt, ist es häufig auch einfacher, als die Übung mit sich allein im stillen Kämmerlein durchzuführen, weil deine Vorstellungskraft intensiver angeregt wird, wenn jemand den Prozess führt. Du kannst auch gern eine Einzelstunde buchen, wenn du feststellst, du kommst immer wieder raus, wenn du diesen Prozess allein durchführst. Allein musst du dich intensiver konzentrieren, um die Bilder vor deinem inneren Auge zu halten. Entspannung hilft dabei, daher ist der Raum in dem du dich befindest ebenfalls entscheidend.  

Wie gesagt, mach dir keinen Stress, es ist wie alles andere auch eine Übungssache.

Du kannst in dieser Übung häufiger Mal damit spielen, dir Menschen vorzustellen und einfach nur wahrzunehmen, wie es dir mit ihnen geht. Schon allein diese Übung wird dir vielleicht ein paar unerwartete Erkenntnisse bringen. Auch deine Gefühle können hier bereits voll zur Entfaltung kommen. Einem geliebten und bereits verstorbenen Menschen so zu begegnen, kann sehr emotional sein. Oder, du bist nervös, wenn du dir einen geliebten Menschen vorstellst, dem du sagen willst, dass dir dein Verhalten leid tut.  

Je häufiger du übst, desto schneller und besser bist du für die wichtigen Momente ausgerüstet.

Wenn du weißt, wo noch ein Knackpunkt  in der Beziehung zu einem dir wichtigen Menschen steckt, kannst du diese Übung entsprechend weiter führen. Such dir einen ruhigen Ort, schließe die Augen (es gibt auch Menschen, die das mit offenen Augen können) und sieh diese Person vor dir. Kläre mit ihr alles, was dir auf dem Herzen liegt. Du kannst sie auch in den Arm nehmen oder dich halten lassen, alles ist hier in deiner Vorstellung möglich. Wenn du meinst, die Person deiner Wahl hätte dich im realen Leben niemals in den Arm genommen, beachte bitte, dass ihr euch hier auf einer anderen Ebene begegnet. An deinem Ort darf alles sein. Du weißt nicht, wie es im Unterbewusstsein der Person wirklich aussieht und was sie dir (nicht) zeigen kann. Ihr Unterbewusstsein kann völlig anders handeln, als du es dir je vorstellen kannst. Darum vertrau dem Prozess und lass dich ein.

Die Beziehung zu deinen Eltern werde ich in einer anderen Übung näher beschreiben. Sie ist in der Regel sehr emotional. Es ist auch leichter, die Begegnung mit seinen Eltern geführt zu vollziehen, besonders, wenn sie stressbelastet ist.


f