Weite Wattlandschaft im Abendlicht an der Ostsee

Psychotherapie & Trauma

Trauma verstehen.

Nicht das Ereignis ist das Trauma, sondern das, was danach in Körper und Nervensystem zurückbleibt. Hier kannst du in Ruhe nachlesen.

Grundlage

Trauma verstehen

Ein Trauma entsteht, wenn ein aufkommendes Erlebnis den Menschen als Extremstress überfordert. Wenn du keine Möglichkeit hast, das Erlebte zu verarbeiten, niemand da ist, der dir hilft, du nicht kämpfen und auch nicht fliehen kannst, also sinnbildlich in die Ecke gedrängt wirst. Starke Gefühle von Hilflosigkeit, Ohnmacht und Ausgeliefertsein prägen diese Erlebnisse, und deine aufgebrachte Energie reicht nicht aus, um die Bedrohung abzuwenden und wieder Sicherheit herzustellen.

In so einer Situation beginnt dein Gehirn zu dissoziieren. Es arbeitet und speichert das Erleben anders als sonst, es schaltet, um dein Überleben zu sichern, auf „Notprogramm“. Diese Erlebnisse sind höchst subjektiv. Was für den einen ein traumatisches Erlebnis ist, ist für den anderen lediglich großer Stress.

Es gibt verschiedene Arten von Trauma. Unsere Interpretation meint meistens das Schocktrauma (Krieg, Tod, Vergewaltigung, Naturkatastrophe), wenn es um Traumata geht. Letztendlich ist jedoch nicht das (Schock-)Ereignis das Trauma, sondern die verschiedenen körperlichen und psychischen Folgezustände, unter denen wir danach leiden. Kurz gesagt ist ein Trauma eine Art Wunde oder Verletzung, die durch andere Menschen herrührt.

Anzeichen

Woran du Traumafolgen erkennen kannst

Traumafolgen zeigen sich oft lange nach dem eigentlichen Ereignis — und selten als das, was man erwartet. Vielleicht erkennst du dich in einem dieser Punkte wieder:

  • Du leidest unter Schlafstörungen
  • Du hast immer wiederkehrende Flashbacks
  • Schlimme Bilder treten häufig vor deinen inneren Augen auf
  • Dein Körper gerät plötzlich in einen Zustand, den du nicht beeinflussen kannst (z. B. Traurigkeit, Melancholie, Angst, Einsamkeit, Isolation)
  • Du fühlst dich abgeschnitten (innere Leere)
  • Du hast (wiederkehrende) Albträume
  • Du hast kein Gefühl für deinen Körper
  • Du kommst nicht zur Ruhe (übererregt)
  • Du kommst nicht in die Aktivität (antriebslos, kraftlos, energielos)
  • Und einiges mehr.

„Die meisten Traumatisierungen finden in den eigenen Familien statt“

Vertiefung

Was dabei in dir passiert

Was passiert da im Gehirn und im Körper?

Wenn die Situation für eine Person zwar stressig (mit Schreck verbunden), aber zu bewältigen ist, speichert unser Gehirn die Situation assoziiert (zusammenhängend) ab. Sie hat damit einen Beginn, einen Verlauf und ein Ende. Die Person kann von dem Ereignis chronologisch berichten, weil es als ganzes Ereignis abgespeichert ist. Normalerweise schaltet der Organismus wieder in den Alltagsmodus zurück und reguliert sich selbst. Er lässt die Wachheit und Reaktionsbereitschaft los, und wir können wieder entspannt in den Beziehungsmodus wechseln.

Was können wir tun, wenn wir Hilfe brauchen?

Es gibt wie immer mehrere Wege. Ich arbeite mit EMDR und traumasensiblem Coaching, das sich auf die Regulation deines Nervensystems konzentriert. EMDR regt durch die bilaterale Stimulation das Unterbewusstsein an, unverarbeitete Fragmente zusammenzufügen, damit das Gehirn sie verarbeiten kann.

Kleiner Exkurs in die systemische Neurobiologie

Unser gesamtes System, bestehend aus Körper, Geist und Psyche, ist untrennbar miteinander verbunden. Wenn wir uns mit einer Problematik auseinandersetzen, ist es von großer Bedeutung, einen ganzheitlichen Blick darauf zu werfen. Veränderungen wirken sich immer im ganzen System aus. Insbesondere beim Umgang mit Trauma spielt die Neurobiologie eine wichtige Rolle.

Transgenerationales Trauma

Der Begriff „transgenerationales Trauma“ ist in der Psychopathologie nicht wissenschaftlich diagnostiziert. Es handelt sich jedoch um ein Phänomen, das offensichtlich und wahrnehmbar ist. Es wird angenommen, dass unverarbeitete Traumata mit hoher Wahrscheinlichkeit über epigenetische Prozesse an die nächsten Generationen weitergegeben werden.

Häufig übersehen

Entwicklungs- und Bindungstraumata — die eigentlichen Übeltäter

Das, was uns oft belastet und uns in ungünstigen Reaktionsmustern gefangen hält, sind in der Regel Entwicklungs- und Bindungstraumata, die jeder von uns in sich trägt. Diese Traumata stammen aus unserer Kindheit und haben einen so starken Einfluss, dass sie die gesamte Entwicklung unserer Persönlichkeit stören und häufig zu großem Leid als Erwachsene führen. Sie werden durch bestimmte Ereignisse ausgelöst, wie zum Beispiel ein Schocktrauma (etwa der Tod eines Elternteils, der Auszug einer geliebten Bezugsperson, Krieg oder eine Naturkatastrophe).

Die schwerwiegendsten Traumafolgen entstehen jedoch durch Bindungstraumata. In der Kindheit entstandene destruktive Beziehungsmuster, die von den Eltern oder anderen Bezugspersonen dem Kind gegenüber vorgelebt wurden, können tiefe Auswirkungen haben. Dadurch können wir in unserem Innersten Schwierigkeiten haben, Kontakt aufzunehmen und Beziehungen zu führen. Dies führt zu großem Leid in allen Arten von Beziehungen und letztendlich auch zu Leiden in der Mutter-(Vater)-Kind-Beziehung.

Das Leben besteht von Anfang an aus Austausch und Verbindung. Doch in einem gestörten Zustand versuchen wir, Verbindung durch Kompensation und Betäubung zu überleben, während wir uns gleichzeitig unendlich einsam und getrennt fühlen. Diese Muster der Kompensation und des Getrenntseins hindern uns daran, das volle Potenzial unseres Lebens zu entfalten. Der Heilungsprozess zielt darauf ab, diese destruktiven Muster zu erkennen, zu verstehen und zu überwinden, um wahre Verbindung und erfüllende Beziehungen zu erfahren.

„Traumaheilung beeinflusst nicht nur jeden einzelnen Menschen, sondern auch die Familie, das Umfeld und letztlich die Gesellschaft.“

Zum Mitnehmen

Erste Hilfe nach einem belastenden Ereignis

Nach einem Unfall, einem Schockmoment oder einem anderen belastenden Ereignis suchen viele Menschen zuerst nach Orientierung. Für genau diese Zeit habe ich zwei kurze Anleitungen zum Herunterladen zusammengestellt — eine für Eltern und eine für Jugendliche.

Erste Hilfe Fibel – Eltern

Ein Kompass für Sie und Ihr Kind in schweren Zeiten

PDF herunterladen (7 Seiten)

Erste Hilfe für Dich – Jugendliche

Wie du dein Nervensystem nach einem krassen Erlebnis wieder beruhigst

PDF herunterladen (4 Seiten)

Die Anleitungen sind bewusst weit gefasst und lassen sich nach ganz unterschiedlichen belastenden Ereignissen nutzen. Sie ersetzen keine Behandlung — wenn du Begleitung möchtest, melde dich gerne.

Kostenlos & unverbindlich

Du musst da nicht allein durch.

Wenn du beim Lesen etwas wiedererkannt hast: Im kostenlosen Kennenlerngespräch klären wir in Ruhe, ob und wie ich dich begleiten kann.

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